In den 50er und 60er Jahren hatten die Amerikaner ein großes Problem. Während Russland wie am Fließband Satelliten ins All schoß, waren die Amerikaner vom angestrebten, bemannten Ausflug in den Weltraum noch meilenweit entfernt. Und das obwohl bereits zahlreiche weiße Männerköpfe bei der NASA auf der Suche nach den richtigen Formeln und Konstruktionen rauchten.

Die Geschichtsbücher haben uns längst verraten, dass die Astronauten Alan Shepard und John Glenn von den Mathematikern und Ingenieuren der NASA sicher ins All gebracht und auch wieder zurück auf die Erde geholt worden. Weitestgehend unbekannt ist allerdings der Beitrag, den afroamerikanische Frauen an diesem Unterfangen geleistet haben; insbesondere Katherine G. Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson. Drei talentierte Frauen, die überhaupt nur deshalb die Chance bekommen hatten, bei der NASA zu arbeiten, weil der Krieg zu viele Männerleben gekostet hatte. Hidden Figures erzählt ihre Geschichte.

Manchmal reicht Talent allein nicht aus

Was Katherine, Mary und Dorothy zu solch besonderen Charakteren macht, ist nicht allein ihr außerordentliches Talent. Es ist vielmehr die Beharrlichkeit, mit der sie ihre Träume verfolgt haben.

Katherine ist schon als kleines Mädchen ein wahres Mathematikgenie. Sie überspringt mehrere Klassen, hat ein Diplom, noch bevor viele Gleichaltrige heutzutage ihr Abitur abschließen und bekommt letztendlich einen Job bei der NASA. Nicht etwa als Chefin einer Forschungsabteilung, sondern als einfache Rechenkraft in einem Team afroamerikanischer Frauen, die von einem Projekt zum nächsten geschoben werden wie die Bauern auf dem Schachbrett.

Gemanagt wird dieses Team von Dorothy. Doch was wie eine verantwortungsvolle Position aussieht, entpuppt sich schon in den ersten Minuten des Films als schamlose Ausbeute. Dorothy hat nach dem Weggang der früheren Teamleiterin zwar deren Aufgaben übernommen, wartet mittlerweile aber schon seit einem Jahr auf den entsprechenden Titel und ein angepasstest Gehalt.

Mary wird zu Beginn des Films als Mathematikerin in ein Ingenieursprojekt bestellt. Nur reicht ihr der Job als bessere Hilfskraft längst nicht mehr aus. Viel lieber wäre sie selbst Ingenieurin. Was sie davon abhält? Eine weibliche und dazu auch noch afroamerikanische Ingenieurin hat es zuvor noch nicht gegeben.

Die besten Geschichten schreibt das Leben

Es ist wieder einmal das echte Leben, das die besten Geschichten schreibt. Katherine, Mary und Dorothy hatten einen langen Weg vor sich, bis sie den Respekt und die Anerkennung bekamen, die ihnen schon eine ganze Weile zugestanden hatten. Trotzdem gibt es im gesamten Film nur eine einzige Szene, in der Katherine ausfallend wird – was ihr im selben Moment schon wieder peinlich ist.

Alle drei Frauen wissen, dass sie ungerecht behandelt werden. Sie alle haben Zweifel daran, jemals mitzuerleben, dass dieses Unrecht ein Ende hat. Dennoch kommt es ihnen niemals in den Sinn, mit Gewalt und Aggressionen für ihre Träume zu kämpfen. „Wir sind nicht wie die.“, sagt sogar die sonst so freche Mary, als sie eine wütende Demonstration für die Rechte von Afroamerikanern erlebt.

Genau diese unerschütterliche und zugleich respektvolle Haltung ist es, die Katherine, Mary und Dorothy zu wahren Heldinnen und zu großen Vorbildern macht. Nicht nur für den Zuschauer des Films, sondern auch für jeden Held und jede Heldin, die in zukünftigen Geschichten geschrieben werden.

Die Essenz des Helden

Im Film werden Katherine, Mary und Dorothy vorgestellt, während sie gerade mit einer Autopanne am Straßenrand stehen. Dorothy hat bereits die Führung übernommen und das Problem am Schopf gepackt; sie liegt unter dem Auto und bringt es wieder in Schuss. Mary steht frech und gelangweilt wie immer in der Sonne und prüft ihr Make-up. Und Katherine, ganz das zurückhaltende Genie, wartet geduldig im Auto.

Es ist von Beginn an nicht zu übersehen, dass sich der vordergründige Charakter der drei Frauen deutlich unterscheidet. Allein ihr unbeugsamer Wille, niemals aufzugeben und die daraus resultierenden Taten machen sie zu den Heldinnen, die sie sind.

Mit diesen wunderbaren Charakteren, die mich im Herzen berührt haben, mit einer gehörigen Portion Humor und – ganz nebenbei – auch mit einem tollen Soundtrack hat mich der Film vollends gefesselt. Ich kann ihn dir nur wärmstens empfehlen!

5_cupcakes_web